Wirtschaft, Arbeit und Migration in der Elfenbeink


Die Elfenbeinküste – Hintergrundinformationen zu Arbeit, Landwirtschaft, Migration und Ökologie

Wirtschaft und Landwirtschaft:

Die Wirtschaft der Elfenbeinküste ist seit der französischen Kolonialzeit auf den Export von Rohstoffen ausgerichtet. Das westafrikanische Land ist heute der weltgrößte Kakaoproduzent und der größte Produzent von Robusta-Kaffee in Afrika. Ergänzt werden die traditionellen landwirtschaftlichen Einnahmequellen (neben Kakao und Kaffee auch Baumwolle, Naturkautschuk, Palmöl, Holz und Früchte) in den vergangenen Jahren durch die Entdeckung von Öl- und Gasreserven vor der Küste.
Der Primärsektor spielt in der Elfenbeinküste eine bedeutende Rolle. Ein hoher Anteil der Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft, wobei die Ernährung der eigenen Familie im Mittelpunkt steht. Neben dieser kleinbäuerlichen Erzeugung für den Eigenbedarf (oft auch in Kombination mit dem Anbau von Cash Crops), gibt es in der Elfenbeinküste Plantagen für die Produktion von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die für den internationalen Markt bestimmt sind (vor allem Kakao und Kaffee).
Der Anbau von Feldfrüchten für den Export in den zahlungsstarken Westen, während zeitgleich viele AfrikanerInnen um das Überleben kämpfen ist oft kritisiert worden. Viele lasten diese Praxis der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten an, da beide ihre eigenen LandwirtInnen so hoch subventionieren, dass eine Überproduktion von z. B. Milch und Getreide verursacht wird. Diese Überproduktion drückt die Weltmarktpreise. Afrikanische ProduzentInnen können deshalb nur das verkaufen, was in den westlichen Klimazonen schwer zu kultivieren ist, weshalb sich die Landwirtschaft auf wenige exportfähige Landwirtschaftsprodukte beschränkt.

Während die Staaten des Nordens ihre Binnenmärkte massiv schützen (z.B. Eu und Zucker), sollen die Länder des Südens und Ostens ihre Märkte öffnen, sobald der Norden Überschüsse produziert. Ein gutes Beispiel für die Elfenbeinküste ist zum Beispiel das Milchpulver, das aus Europa stammt und auf den Märkten billiger zu erwerben ist, als die Milch der einheimischen BäuerInnen. Somit ist eine Entwicklung im ländlichen Bereich nur schwer möglich.

Während die ProduzentInnen durch die niedrigen Ankaufspreise immer mehr produzieren müssen und großer Armut ausgesetzt sind, werden auf den Plantagen wiederum billige Arbeitskräfte eingesetzt. Immer mehr Kinder aus der Elfenbeinküste und den Nachbarländern arbeiten in den Kakaoplantagen der Elfenbeinküste. Die Arbeiten, bei denen sie eingesetzt werden, sind oft besonders gesundheitsgefährlich auf Grund des Umgangs mit Macheten, Sägen, toxischen Stoffen und durch das Gewicht der Lasten.






Migration:

Wie in den meisten Ländern des Südens und Ostens spielt die Migration in der Elfenbeinküste eine große Rolle. Es lassen sich in der Elfenbeinküste folgende Migrationsarten unterscheiden:
- Interne saisonale rural-rurale Binnenwanderung: Männer und Frauen aus den nördlichen und zentralen Landesteilen der Elfenbeinküste wandern von Juni bis Juli und von Dezember bis Jänner als WanderarbeiterInnen zur Kaffee- und Kakaoernte in die südlichen Landesteile.- Grenzüberschreitende rural-rurale Wanderung: Diese erfolgt zwischen der Savannenzone in den Nachbarländern Burkina Faso und Mali und der Regenwaldzone, oder es handelt sich um eine temporäre Zuwanderung aus den Küstenländern Ghana, Togo und Nigeria. Die WanderarbeiterInnen arbeiten für mehrere Jahre auf den Plantagen und Pflanzungen.
- Rural-urbane Migration:
Landflucht aus dem ländlichen Milieu der Elfenbeinküste und den Nachbarländern in die Metropole Abidjan, oder in die aufstrebenden Städte der zentralen Regenwaldzone. Für die Dörfer bedeutet dies, dass ein großer Teil der arbeitsfähigen Bevölkerung das Land auf unbestimmte Zeit verlässt. Die städtische Infrastruktur ist durch das schnelle Wachstum der Bevölkerung überlastet. Häufig werden spontane Siedlungen (Slums) zum Auffangbecken der ZuwanderInnen.
Neben wirtschaftlichen Motiven (Hoffnung auf einen Arbeitsplatz, Ausbildung, etc.) sind häufig auch soziale Motive, wie Freiheit oder die Abnabelung von älteren Generationen Auslöser für eine Migration in städtische Regionen.


Arbeit:
In den ländlichen Regionen der Elfenbeinküste sind Frauen und Männer vor allem in der Landwirtschaft tätig (2003: 50%). Neben dem Anbau und Verkauf von Nahrungsmitteln sind Frauen für die tägliche Hausarbeit, die Kochen, Wasser holen, Hausordnung und Kindererziehung umfasst, zuständig. Ihre Aufgaben und Tätigkeiten sind im Allgemeinen sehr arbeitsintensiv, anstrengend und unbezahlt.
Der wichtigste Arbeitsbereich von Frauen stellt neben der Landwirtschaft (48 %), der Handel und Dienstleistungsbereich (45 %) dar. In den Städten steigt der Anteil an Frauen, die im Handel tätig sind bis auf 80% an. Ein Großteil der Frauen ist im informellen Sektor tätig, und besitzt somit keinerlei soziale Absicherung.



Armut:
Gemäß Weltbankschätzungen lebten 2003 42-44% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze (1993: 32%). Das Bruttonationaleinkommen betrug im Jahr 2004 je Einwohner 760 $.


Ökologischer Fußabdruck (2003):
Der ökologische Fußabdruck der Elfenbeinküste betrug 2003 0,7 globale Hektar pro Person (gha). Es bleibt in der Elfenbeinküste eine ökologische Reserve von 1,2 gha pro Person. Vergleicht man den positiven Wert der Elfenbeinküste mit einzelnen westlichen Ländern so wird deutlich, dass die Staaten des Nordens massiv über ihre Verhältnisse leben, also einen Flächenbedarf aufweisen, der die Größe der bioproduktiven Flächen im eigenen Land weit übersteigt. Dies bedeutet, dass ein geringer Teil der Weltbevölkerung (25%), vornehmlich die Angehörigen der Staaten des Nordens, für die Gestaltung ihres Lebensstils 85% der jährlich global gewonnen Ressourcen benötigt. Die restlichen Bevölkerungsgruppen haben mangels Kaufkraft derzeit keinen Zugang zum Weltmarkt für Ressourcen. Sobald die BewohnerInnen des Südens zu Kaufkraft gelangen, werden sie im selben Maß Ressourcen nützen, und dieselben Probleme verursachen, die derzeit in den Industrienationen erkennbar sind. Derzeitige ökologische Problembereiche stellen unter anderen in der Elfenbeinküste die Abholzung der tropischen Regenwälder, das Vertrocknen und die Auslaugung der Böden durch die intensive Plantagenwirtschaft, sowie fehlende Maßnamen im Umweltschutz (Abfallwirtschaft, etc.) dar.


Quellen: siehe Literaturtipps

verfasst von Mag. Alice Scridon


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